„Bin Kultur- und nicht Kunststadtrat“

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Christoph Thoma: Neuer Kulturstadtrat in Bludenz (Interview im Bludenzer Anzeiger am 17.07.2015)

Der Leiter der Bregenz Tourismus Stadtmarketing GmbH, Christoph Thoma, ist nun auch in seiner Heimatstadt Bludenz federführend aktiv und will als neuer Kulturstadtrat dort für neue Impulse sorgen.

Anzeiger: Sie leiten in Bregenz das Stadtmarketing und sind nun Kulturstadtrat in Bludenz. Ist das nicht ein bisschen viel und könnten sich da die Interessen überschneiden?

CT: Nein und nein. Zum Arbeitsaufwand: Ich bin in verschiedensten Funktionen auch außerhalb meines eigentlichen Jobs in Bregenz tätig und tätig gewesen. Da ich Zeitmanagement zu meinen Stärken zähle, werde ich diese Doppelfunktion sicher stemmen können, sonst hätte ich die Funktion mit Sicherheit nicht übernommen. Was einen möglichen Interessenskonflikt betrifft, ist diese Annahme absurd, denn die Kulturszene in Bludenz und das Stadtmarketing in Bregenz haben nichts miteinander zu tun und sind ganze andere Aufgabenwelten, die – wenn überhaupt – höchstens befruchtend wirken könnten.

Anzeiger: Ein Thema noch zur Landeshauptstadt – könnte nun auch Bludenz bei den Bemühungen zur „Region Kulturhauptstadt“ zum Handkuss kommen.

CT: Dieses Projekt bliebt auf das Rheintal und angrenzende Regionen (Bregenzer Wald, Bodenseeraum) beschränkt. Ich denke, meine Aufgaben in Bludenz sind ganz andere als hier eine „Europäische Kulturhauptstadt“ auszurufen.

Anzeiger: In diesem Sinne – Bludenz gilt ja als kulturelles Brachland. Wie wollen und können Sie das ändern?

CT: Den Vorwurf, Bludenz sei eine „tote Stadt“ möchte ich entscheiden zurückweisen. Es gibt in Bludenz zahlreiche Aktivposten, etwa den Verein „allerArt“, mit dem ich intensiver zusammenarbeiten möchte. Das Potential wäre ja durchaus da, allerdings sind die einzelnen Elemente – etwa die Nutzung der Remise Bludenz oder die Tätigkeiten in der Villa K. – nicht miteinander koordiniert und finden sehr beliebig statt. Das ist zwar lobenswert, aber es bedarf mittelfristig auch eines politischen Willens und einer Administration seitens der Stadt, um kulturelle Aktivitäten mehr in den Vordergrund zu bringen und – ganz wichtig – auch entsprechend zu „verkaufen“.

Anzeiger: Sie sprechen hier auch ihre operative Tätigkeit in Bregenz an. Ist das im hinteren Walgau überhaupt möglich?

CT: Der Begriff des Kulturstadtrates wird ja oft missverstanden und auf rein künstlerische bzw. kulturpolitische Tätigkeiten reduziert. Dann müsste es aber „Kunststadtrat“ heißen, was nicht der Fall ist. Es geht also nicht nur um künstlerische Aktivitäten im Großraum Bludenz, sondern auch und vor allem um andere Ausformungen der Kultur. Das beginnt bei einer Kultur des Zusammenlebens – etwa bei Festen, im Vereinsleben oder auch anderen, nicht ausschließlich auf Kultur bezogenen Events – geht über eine Lebenskultur, was auch Kulinarisches und sogar den Handel einschließt und endet bei der eigentlichen Stadtkultur, also der Präsentation der Kommune vor allem im Innenstadtbereich.

Anzeiger: Sind auch Kooperationen mit den Nachbargemeinden und der Regio geplant?

CT: Wenn diese für alle Beteiligten und vor allem für Bludenz Sinn ergeben, sind Kooperationen immer ein spannendes und wünschenswertes Modell.

Anzeiger: Das klingt, als ob es in Bludenz noch recht viel zu tun gäbe.

CT: Die Ansätze sind da. Es gilt nun diese aufzunehmen, zu bündeln und – mit einem stärkeren politischen Rückhalt – umzusetzen. Keine leichte Aufgabe, aber eine interessante, auf die ich mich sehr freue.

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